Wohnfläche in der Nebenkostenabrechnung - die 10-%-Regel ist gefallen

Für die Betriebskostenabrechnung zählt die tatsächliche Wohnfläche, nicht die im Mietvertrag vereinbarte. Der BGH hat mit Urteil VIII ZR 220/17 (30.5.2018) die frühere 10-%-Toleranz ausdrücklich aufgegeben. Wer mit einer falschen Fläche als Verteilerschlüssel rechnet, riskiert eine angreifbare Abrechnung - egal in welche Richtung die Abweichung geht.

Die Wohnfläche ist der häufigste Verteilerschlüssel überhaupt - Grundsteuer, Versicherung, Müll, Hausreinigung und die Heizungs-Grundkosten laufen meist über sie. Eine falsche Quadratmeterzahl multipliziert sich also durch die ganze Abrechnung. Genau deshalb ist die BGH-Rechtsprechung dazu so wichtig.

Wohnfläche als häufigster Verteilerschlüssel

Nach § 556a Abs. 1 BGB werden Betriebskosten ohne abweichende Vereinbarung nach Wohnfläche umgelegt. Über die Fläche laufen typischerweise:

Verbrauchsabhängige Posten wie Wasser oder die Heizungs-Verbrauchskosten laufen dagegen über Zähler bzw. Personen - nicht über die Fläche.

Die alte 10-%-Regel - und warum sie gefallen ist

Jahrelang galt der Grundsatz: Solange die im Mietvertrag vereinbarte Wohnfläche um nicht mehr als 10 % von der tatsächlichen abwich, durfte mit der vereinbarten Fläche abgerechnet werden. Diese „Bagatellgrenze" sollte aufwändiges Nachmessen ersparen.

Mit Urteil VIII ZR 220/17 vom 30. Mai 2018 hat der Bundesgerichtshof diese Rechtsprechung für die Betriebskostenabrechnung ausdrücklich aufgegeben. Begründung: Betriebskosten sind nach den tatsächlichen Gegebenheiten abzurechnen, nicht nach einer von subjektiven Vorstellungen geprägten Parteivereinbarung.

BGH VIII ZR 220/17: Es zählt die tatsächliche Fläche

„Bei der Abrechnung von Betriebskosten nach Wohnfläche ist die tatsächliche Wohnfläche zugrunde zu legen; auf eine im Mietvertrag abweichend angegebene Wohnfläche kommt es nicht an." - sinngemäß BGH VIII ZR 220/17

Das ergänzt die bereits 2015 für die Mieterhöhung getroffene Linie (BGH VIII ZR 266/14): Auch dort zählt seither die echte Fläche. Konsequenz für Vermieter: Die vertragliche Flächenangabe schützt nicht mehr vor einer Korrektur - weder zu Gunsten noch zu Lasten einer Partei.

Wie die Wohnfläche korrekt berechnet wird (WoFlV)

Maßstab ist die Wohnflächenverordnung (WoFlV):

FlächeAnrechnung
Räume ≥ 2 m Höhe100 %
Flächen 1–2 m Höhe (Dachschräge)50 %
Flächen unter 1 m Höhe0 %
Balkon / Terrasse / Loggiai. d. R. 25 %, max. 50 %
Keller, Waschküche, Dachboden, Garage0 % (kein Wohnraum)

Bei vor 2004 geschlossenen Verträgen kann noch die alte II. Berechnungsverordnung (II. BV) maßgeblich sein - die Werte sind aber weitgehend vergleichbar.

Was Vermieter jetzt konkret tun sollten

  1. Flächen verifizieren: bei Zweifeln die Wohnungen nach WoFlV (nach)messen - gerade bei Dachgeschoss- und Balkon-Wohnungen lohnt der Blick
  2. Eine konsistente Flächenbasis für alle flächenabhängigen Posten verwenden - nicht für die Grundsteuer eine andere Zahl als für die Heizung
  3. Bei Abweichung korrigieren: künftige Abrechnungen mit der tatsächlichen Fläche rechnen; Altabrechnungen nur im Rahmen offener Fristen
  4. Dokumentieren: Aufmaß / Flächenberechnung als Beleg aufbewahren - der Mieter hat ein Einsichtsrecht

Was Mieter prüfen können

Mieter sollten die in der Abrechnung verwendete Quadratmeterzahl mit der realen Wohnung abgleichen. Ist die angesetzte Fläche zu hoch, zahlen sie einen zu großen Kostenanteil - und können das innerhalb der 12-monatigen Einwendungsfrist (§ 556 Abs. 3 BGB) beanstanden. Umgekehrt kann auch der Vermieter eine zu niedrig angesetzte Fläche korrigieren.

Quellen & weiterführende Links

Stand: 1. Juni 2026. Die Anrechnung von Balkonen und Sonderflächen kann im Einzelfall abweichen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Weitere Beiträge zum Thema Nebenkostenabrechnung

Alle Blog-Artikel · Nebenkosten-Guru Software