Am Heizkostenverteiler steht eine Zahl. Sie ist keine Kilowattstunde, kein Liter und kein Euro - sie ist eine dimensionslose Anzeige, die erst durch einen gerätespezifischen Faktor vergleichbar wird. Wer diesen Faktor falsch setzt, verteilt die Heizkosten systematisch falsch, ohne dass es jemandem auffällt.
Ein Heizkostenverteiler misst nicht die abgegebene Wärmemenge, sondern eine Größe, die damit korreliert - bei Verdunstungsgeräten die verdunstete Flüssigkeitsmenge, bei elektronischen Geräten die Temperaturdifferenz über die Zeit. Wie viel Wärme dieselbe Anzeige bedeutet, hängt vom Heizkörper ab: Ein großer Plattenheizkörper gibt bei gleicher Oberflächentemperatur ein Vielfaches der Wärme eines kleinen Rippenheizkörpers ab.
Der Umrechnungsfaktor gleicht diesen Unterschied aus. Er wird aus den Leistungsdaten des konkreten Heizkörpers und der verwendeten Geräteskala gebildet. Erst nach der Multiplikation sind die Werte verschiedener Wohnungen vergleichbar und dürfen addiert werden.
Das ist das Tückische: Ein falscher Umrechnungsfaktor macht die Abrechnung nicht rechnerisch falsch. Die Gesamtkosten werden weiterhin vollständig verteilt, die Summe der Anteile ergibt 100 %. Verschoben wird nur das Verhältnis zwischen den Wohnungen - eine zahlt zu viel, die andere zu wenig.
Auffällig wird das erst im Vergleich über mehrere Jahre oder wenn ein Mieter seinen Verbrauch mit dem der Nachbarn abgleicht. Deshalb lohnt sich beim ersten Einbau und nach jedem Heizkörpertausch ein Blick in die Geräteliste des Messdienstes: Stimmen Typ, Größe und Leistung noch mit dem überein, was tatsächlich an der Wand hängt?
Bei elektronischen Heizkostenverteilern nach DIN EN 834 ist die heizkörperspezifische Bewertung in der Regel bereits im Gerät hinterlegt. Der abgelesene Wert ist dann schon die Verbrauchseinheit, der zusätzliche Faktor beträgt 1,000. Genau deshalb ist dieser Wert der sinnvolle Standard.
Bei Verdunstungsgeräten nach DIN EN 835 wird häufiger mit einer neutralen Skala gearbeitet, die anschließend über den Faktor bewertet wird. Dort ist die Fehleranfälligkeit höher - und dort lohnt die Kontrolle am meisten.
Wird ein Heizkörper mitten im Abrechnungszeitraum getauscht, ändert sich der Faktor. Der alte Zeitraum ist mit dem alten Faktor zu bewerten, der neue mit dem neuen. Wird das übersehen, entsteht genau die Art von stiller Verzerrung, die später kaum noch aufzuklären ist - deshalb gehört jeder Heizkörpertausch dem Messdienst gemeldet.